Was ist das Tomatis-Hörtraining?

Sonntag, 4. Mai 2008 12:50

Das Hörtraining nach Tomatis ist ein spezielles Horch-Training, das auf den Erkenntnissen des französischen Ohrenarztes Professor Dr. Alfred Tomatis beruht. Tomatis ist Begründer der Audio-Psycho-Phonologie (APP) und behandelte viele tausend Kinder und Erwachsene, darunter auch Prominente wie Romy Schneider, Maria Callas und Gerard Depardieu. Seine interdisziplinäre Therapie-Methode dient dem Training und der „Re-Edukation“ des Ohres. Heute arbeiten weltweit über 200 nach der Audio-Psycho-Phonologie, seit Anfang 2006 auch Albatros Förderunterricht in Hamm.

Fast ein halbes Jahrhundert widmete Tomatis (1920 – 2001) experimentellen Untersuchungen des Ohres und des Hörens. Bereits 1953 formulierte er die Gesetzmäßigkeiten, die noch heute die zuverlässige Grundlage der Audio-Psycho-Phonologie bilden: Unser Ohr ist das Tor zu unserem Körper und zur Welt. Unser Ohr ist ein Kraftwerk, das beim Hören unser Gehirn mit Energie auflädt. Positiv oder negativ.

Hören oder Horchen?

Wir hören immer. Dennoch nehmen wir nicht immer bewusst wahr, was in unsere Ohren dringt. Hinhören – oder Horchen – ist ein aktiver Selektionsvorgang. Horchen bedeutet Aufmerksamkeit, Präsenz, Wachheit. Die Art, wie wir hören, hat grundlegenden Einfluss auf fast alle Aspekte unseres Daseins. Das Hören beeinflusst auch die Körpermotorik. Ist die Hörwahrnehmung gestört, kann es zu neuronalen Fehlschaltungen im Gehirn mit weitreichenden Folgen für die Sprache, die Bewegung, das Denken und Fühlen kommen. Hörwahrnehmungsprobleme sind die Ursache vieler Lern- und Verhaltensstörungen.

Wie das Tomatis-Hörtraining wirkt

Prof. Tomatis entwickelte eine höchst effektive Technik, die den Menschen mit oben genannten Indikationen ermöglicht einen von der Konzeption her akustisch idealen Weg zu gehen, von dem das spötere Hörvermögen und die mündliche und schriftliche Ausdrucksweise abhängen. Das Horch-Training simuliert diesen akustisch idealen Weg und beginnt mit dem intrauterinen Dialog mit der Mutter. Das Ohr wird akustisch in den Mutterleib zurückversetzt. So kann die „Hörentwicklung“ noch einmal von vorn beginnen. Da der Fötus seine Umwelt durch das Fruchtwasser filtriert wahrnimmt, benötigt man hierzu elektronisch aufbereitete Musik.

Welche Klänge werden beim Tomatis-Hörtraining verwendet?

Zunächst wird Musik von Mozart eingesetzt, wie auch Gregoriansiche Choräle. Mit Hilfe des Gehirn-Activators, ein spezielles elektronisches Gerät, wird diese Musik bearbeitet und auf die jeweilige Problematik abgestimmt. Da die Stimme der Mutter vom Fötus am besten wahrgenommen wird, setzt man auch im Tomatis-Hörtraining die Stimme der Mutter ein. Hierzu liest die Mutter einen positiven Text von dreißigminütiger Dauer. Die Stimme wird aufgenommen und mit Hilfe der entsprechenden Geräte so aufbereitet, dass sie sich wie im vorgeburtlichen Klangmilieu anhört. Wenn keine Mutterstimme vorhanden ist (z. B. bei Adoptivkindern), arbeitet man mit filtrierter Musik.

Und dann?

Nach einer individuell unterschiedlichen Anzahl von Hörphasen kann der hochgefilterte Teil des Hörtrainings abgeschlossen werden. Die Bänder werden nach und nach wieder „entfiltert“ und so wird der Hörende wieder ins normale Klangmilieu zurückgeführt. Danach können „Aktive Phasen“ folgen. Hier findet ein audiovokales Training mit Sing- und Sprecheinheiten statt. Tomatis entdeckte, dass sich die Muskeln im menschlichen Ohr bis ins hohe Alter erfolgreich trainieren lassen. Tomatis-Hörtraining vitalisiert, hilft bei Spannungs- und Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen und Verspannungen der Wirbelsäulenmuskulatur.

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